KAPITALKOMPASS #62: Stagflation und Öl-Schock
- 15. Apr.
- 3 Min. Lesezeit
Sehr geehrte Mandanten, sehr geehrte Freunde des Hauses,
die vergangenen Wochen fühlten sich an wie eine Zeitreise, auf die wir alle gerne verzichtet hätten. Wer gehofft hatte, die 1970er-Jahre würden nur in Form von Retro-Mode zurückkehren, wurde am Ölmarkt eines Besseren belehrt. Seit dem Ausbruch des Iran-Konflikts und der zeitweisen Sperrung der Straße von Hormus regiert an den Märkten nicht mehr die fundamentale Analyse, sondern die reine Geopolitik.
Zwar gibt es aktuell eine kleine Verschnaufpause – unter Vermittlung Pakistans wurde ein zweiwöchiger Waffenstillstand vereinbart – doch die Nervosität bleibt auf einem Niveau, das wir zuletzt im Frühjahr 2025 gesehen haben. Der VIX, das „Angstbarometer“ der Wall Street, notiert weiterhin über der kritischen Marke von 31.
Das Schreckgespenst der Stagflation wird real
Was uns derzeit mehr Sorgen bereitet als die kurzfristigen Kurskapriolen, ist das ökonomische Gesamtbild. Wir beobachten eine klassische Stagflation:
Schwaches Wachstum: Die Einkaufsmanagerindizes deuten nur noch auf ein annualisiertes BIP-Wachstum von rund 1 % hin.
Hohe Inflation: Gleichzeitig beschleunigt sich die Teuerungsrate bei den Verbraucherpreisen auf etwa 4 %.
Trendwende: Der Trend bei den Wirtschaftsdaten nähert sich Niveaus an, die wir üblicherweise nur in echten Krisenphasen sehen.
Die Zinswende, die keine wurde
Für die Zentralbanken ist die Lage prekär. Wir nennen es die „Zwickmühle der Notenbanker“: Senken sie die Zinsen, um die Wirtschaft zu stützen, befeuern sie die Inflation. Erhöhen sie die Zinsen, würgen sie das ohnehin schwache Wachstum endgültig ab.
Das hat handfeste Konsequenzen für Ihr Portfolio:
Zinssenkungen der Fed und EZB für dieses Jahr sind vorerst vom Tisch.
Der Markt preist bereits zu 50 % eine Zinserhöhung bis Dezember ein.
Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen ist bereits auf 4,48 % geklettert.
Was bedeutet das für Ihre Strategie?
In Phasen extremer Unsicherheit – verdeutlicht durch eine Schwankungsbreite von über 3.900 Punkten im Dow-Future – ist Besonnenheit wichtiger denn je. Das Schlagwort der Stunde lautet „Cash is King“. Kapital wird derzeit massiv aus Risikoanlagen abgezogen und in Sicherheit gebracht.
Unsere aktuellen Handlungsempfehlungen für Ihr Depot:
Liquidität halten: Bleiben Sie handlungsfähig, um bei Marktübertreibungen Chancen nutzen zu können.
Qualität vor Momentum: Fokus auf Unternehmen mit starken Bilanzen und Preissetzungsmacht.
Rohstoffe als Hedge: Der Ölmarkt bleibt das Schlüsselrisiko; ein Extremszenario von 135 USD pro Barrel ist nicht auszuschließen.
Realer Werterhalt: Wir empfehlen die Beimischung von inflationsindexierten Anleihen (TIPS), um reale Renditen zu sichern.
Die Geopolitik gibt derzeit den Takt vor, und die Unternehmenszahlen sind vorerst in den Hintergrund gerückt. Wir beobachten die Lage für Sie weiterhin rund um die Uhr.
Fazit
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Geopolitik derzeit das Ruder fest in der Hand hält und fundamentale Unternehmensdaten zunehmend in den Hintergrund drängt. Die drohende Stagflation erfordert eine defensive Neuausrichtung Ihres Portfolios. Wir raten Ihnen daher, die Liquidität zu erhöhen und den Fokus verstärkt auf Qualitätsaktien sowie den Energie- und Rohstoffsektor zu legen. Auch inflationsindexierte Anleihen (TIPS) sind ein sinnvoller Baustein, um in diesem volatilen Umfeld reale Renditen zu sichern.
Es ist eine Zeit der Wachsamkeit, in der ein konsequentes Risikomanagement mehr denn je über den langfristigen Erfolg entscheidet. Wir bleiben für Sie am Puls der Märkte und begleiten Sie sicher durch diese herausfordernde Phase.
Mit besten Grüßen und einem erfolgreichen Investieren,
Ihr Service-Team

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Quellenangabe:
Torsten Leißner
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