KAPITALKOMPASS #59: Börsengänge 2026
- 16. Jan.
- 3 Min. Lesezeit
Sehr geehrte Leserinnen und Leser,
das Börsenjahr 2026 könnte für Privatanleger wieder deutlich spannender werden: Nach einer Phase, in der viele Unternehmen den Gang aufs Parkett verschoben haben, rücken Börsengänge (IPOs) erneut in den Fokus. Doch gerade bei IPOs entscheidet selten die Schlagzeile – entscheidend sind Geschäftsmodellqualität, Bewertung und Zeithorizont. In den ersten Monaten nach dem Listing dominiert oft der Marktmechanismus aus Liquidität, Erwartungen und Storytelling; der langfristige Anlageerfolg entsteht dagegen aus Substanz, Skalierung und belastbaren Wettbewerbsvorteilen.
In dieser Ausgabe des KAPITALKOMPASS geben wir Ihnen einen investorenorientierten Überblick über ausgewählte IPO-Kandidaten für 2026 – von Plattform- und Infrastrukturthemen über KI bis hin zu Biotech und Industrie. Ziel ist eine klare Einordnung: Wo liegen die strukturellen Chancen, wo die typischen Fallstricke – und wie lassen sich mögliche IPO-Investments sinnvoll in ein langfristiges Portfolio integrieren?
SpaceX: Infrastruktur-Play mit Skalierung über Starlink
SpaceX steht in der Vorlage als Kandidat für ein IPO-Profil, das eher an „kritische Infrastruktur“ als an klassischen Tech-Hype erinnert: Marktführerschaft in der kommerziellen Raumfahrt, strukturelle Kostenvorteile durch wieder verwendbare Raketen und mit Starlink ein skalierbares Geschäftsmodell im satellitengestützten Internet. Die Chancen liegen in einem langfristigen Nachfrage-Backbone (Konnektivität, Raumfahrt, Verteidigung), die Risiken vor allem im Kapitalbedarf und in regulatorischen Rahmenbedingungen. Für Langfristanleger wäre das – bei passender Bewertung – ein potenzielles Kerninvestment, jedoch nur mit klarer Risikodimensionierung.
OpenAI & Anthropic:
Plattformlogik vs. „Safety-first“-Positionierung
Im KI-Block unterscheiden sich die Investmentnarrative klar: OpenAI wird als führende Plattform im Bereich generativer KI eingeordnet – mit Chancen durch Skalierbarkeit sowie Plattform- und Netzwerkeffekte, insbesondere über die Einbettung in Unternehmenssoftware- und Cloud-Ökosysteme. Demgegenüber positioniert sich Anthropic stärker über „sichere, regulierungskonforme KI“, was in regulierten Branchen (z. B. Finanzen, Staat) ein strategischer Vorteil sein kann. Risiken sehen beide Cases in regulatorischen Eingriffen und intensivem Wettbewerb; bei Anthropic kommt zusätzlich das Risiko einer potenziell vorsichtigeren Monetarisierung hinzu. Unterm Strich: Ein attraktives Spielfeld – aber Bewertung, Governance und Regulierung sind hier die zentralen Dealbreaker.
Aktis Oncology: Biotech als asymmetrische Beimischung
Aktis Oncology steht für das klassische Biotech-Profil: Spezialisierung auf innovative Krebstherapien mit potenziell hohem Bewertungshebel bei klinischem Erfolg – aber spiegelbildlich hoher Unsicherheit durch Studienverläufe und entsprechend ausgeprägter Volatilität. Für Privatanleger bedeutet das: eher satellitär im Portfolio, mit strikt begrenzter Positionsgröße, klarer Verlusttoleranz und einer bewussten Erwartung, dass Nachrichtenlage und Meilensteine den Kurs stärker treiben können als laufende Fundamentaldaten.
Regionen & Sektoren: Kunlunxin (China) und CSG (Europa) – plus Gesamtfazit
Im regionalen Blickfeld nennt die Vorlage Kunlunxin (Baidu AI-Chip-Sparte) als strategisch relevantes Asset für Chinas technologische Unabhängigkeit – mit Chancen durch staatliche Unterstützung, aber signifikanten Risiken durch geopolitische Spannungen. In Europa wird die Czechoslovak Group (CSG) als Industrie- und Technologiekonzern mit starkem Verteidigungsbezug eingeordnet, mit Chancen aus steigenden Verteidigungsausgaben und langfristigen staatlichen Aufträgen – zugleich mit politischen und ethischen Risikodimensionen. Das Gesamtfazit der Vorlage ist klar: Für Langfristanleger wirken vor allem KI- und Plattformunternehmen strukturell attraktiv; Biotech und Rüstung eher als risikobewusste Beimischung. Entscheidend bleibt eine breite Diversifikation und ein sauberer Blick auf Bewertung und Risikoarchitektur.
Fazit
Unser Fazit: 2026 könnte ein IPO-Jahr werden, das nicht primär über Quantität, sondern über Qualität und Narrative mit echter operativer Traktion überzeugt. Besonders attraktiv sind aus Langfristsicht Unternehmen, die in ihren Märkten Plattformlogik oder Infrastruktur-Charakter besitzen – weil dort Skaleneffekte, Netzwerkeffekte und hohe Eintrittsbarrieren den Unterschied machen können. Gleichzeitig gilt: Gerade bei prominenten Kandidaten ist das zentrale Risiko häufig nicht das Produkt, sondern die Bewertung – und damit der Preis, den man für Wachstum bezahlt.
Für die Praxis empfehlen wir IPOs als selektives Satelliten-Instrument: mit klarer Positionsgrößenlogik, ausreichend Diversifikation und einem Plan, wie Sie mit Volatilität in den ersten Handelsmonaten umgehen. Wer langfristig denkt, gewinnt selten durch das perfekte Timing am ersten Handelstag – sondern durch diszipliniertes Nachkaufen in Phasen, in denen der Markt wieder von Erwartung auf Fundamentaldaten umschaltet.
Wenn Sie möchten, unterstützen wir Sie gern dabei, IPO-Themen in Ihre persönliche Vermögensstrategie sauber einzuordnen.
Mit besten Grüßen und einem erfolgreichen Investieren,
Ihr Service-Team

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Quellenangabe:
Torsten Leißner
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