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Mann liest Zeitung

KAPITALKOMPASS #61: Kapitalmarktupdate 03.26

13. März
4 Min. Lesezeit

Sehr geehrte Leserinnen und Leser,


während wir das Jahr 2026 mit einer gewissen Hoffnung auf wirtschaftliche Stabilisierung begannen, erinnert uns die geopolitische Realität im Nahen Osten einmal mehr daran, dass Volatilität die einzige Konstante an den Märkten bleibt. Die jüngste Eskalation rund um den Iran markiert eine Zäsur, die weit über regionale Grenzen hinausstrahlt. In diesem Sonder-Update analysieren wir für Sie, wie sich die militärische Zuspitzung auf die globalen Energieströme, die Inflationsdynamik und letztlich auf Ihr Portfolio auswirkt. Trotz der dramatischen Schlagzeilen gilt für uns: Ein kühler Kopf ist derzeit das wichtigste Asset.


Hier ist unsere aktuelle Einschätzung der Lage:


Ölpreis-Schock und das Dilemma der Notenbanken


Nach dem Scheitern der Verhandlungen ist es zu einer deutlichen militärischen Eskalation rund um den Iran gekommen. Die wichtigsten ökonomischen Risiken konzentrieren sich dabei auf einen möglichen Anstieg der Ölpreise. Sollte dieser über einen längeren Zeitraum anhalten, könnte er weltweit zu einer höheren Inflation führen und damit die geldpolitischen Spielräume der Zentralbanken einschränken.


Fiskalische Stütze gegen rezessive Tendenzen


Aufgrund der in diesem Jahr besonders starken fiskalpolitischen Stimulierungen in Deutschland, Japan und vor allem in den USA – etwa durch die sogenannte Big Beautiful Bill, die umfangreichen Steuersenkungen und höhere staatliche Ausgaben vorsieht – erscheint uns eine globale Rezession derzeit jedoch nicht als unwahrscheinlich. Dennoch dürfte die gestiegene geopolitische Risikoprämie in den kommenden Monaten zu einer Phase erhöhter Unsicherheit und stärkerer Schwankung an den Finanzmärkten führen.


Die nukleare Komponente: Eine neue Stufe der Bedrohung


Seit dem Angriff der USA und Israels auf iranische Atomanlagen im Juni 2025 gelang es dem Iran offenbar nicht nur, rund 400 Kilogramm hochangereichertes Uran zu verbergen, sondern auch, Teile seiner Nuklearanlagen wieder funktionsfähig zu machen. Gleichzeitig wurde das iranische Drohnen- und Raketenarsenal deutlich ausgebaut.


Militärische Eskalation und regionale Ausweitung


In den Verhandlungen mit den USA Ende Februar lehnte die iranische Führung die Forderung ab, sowohl das wiederaufgebaute Drohnen- und Raketenarsenal zu reduzieren als auch die Urananreicherung vollständig aufzugeben. In der Folge griffen amerikanische und israelische Luft- und Marinestreitkräfte gezielt iranische Führungsstrukturen sowie militärische Einrichtungen an. Der Iran reagierte darauf mit Raketen- und Drohnenangriffen auf Ziele in Israel und auf US-Militärbasen in der Region. Darüber hinaus wurden auch Golfstaaten wie Saudi-Arabien, Katar, Kuwait, Bahrain, Oman und die Vereinigten Arabischen Emirate in die militärischen Spannungen hineingezogen.


Navigieren im Nebel der Unsicherheit


Da sich die Lage dynamisch entwickelt und sich militärische wie politische Rahmenbedingungen rasch ändern können, besteht ein erhebliches Risiko, dass aktuelle Einschätzungen durch neue Ereignisse schnell überholt werden. Dennoch lassen sich einige grundlegende wirtschaftliche und geopolitische Überlegungen anstellen.


Die Straße von Hormus:

Das strategische Nadelöhr


Eine zentrale Rolle spielt dabei die Meerenge von Hormus, die zwischen dem Iran und Oman liegt. Über diese strategisch wichtige Wasserstraße werden mehr als 20 % der weltweiten Ölexporte sowie ein bedeutender Teil der globalen Flüssiggasexporte (LNG) transportiert. Über 80 % dieser Energieexporte gehen nach Asien, vor allem nach China – das insbesondere iranisches Öl importiert – sowie nach Indien, Südkorea und Japan. Ein Teil der LNG-Lieferungen gelangt zudem nach Europa.


Die neue Autarkie der USA

als stabilisierender Faktor


Die USA hingegen sind sowohl beim Erdöl als auch beim Flüssiggas weitgehend energieautark. Im Falle von Versorgungsengpässen könnten sie den Weltmarkt zumindest teilweise über ihre strategischen Ölreserven sowie über eine erhöhte LNG-Produktion stabilisieren.


Antizipation der Krise: Lageraufbau und Preisfindung


Bereits im Vorfeld des Irankrieges, insbesondere seit Ende Dezember, zeigten sich Anzeichen für vorgezogene Ölkäufe und einen stärkeren Aufbau von Lagerbeständen. Gleichzeitig stiegen die Ölpreise, da Marktteilnehmer eine mögliche Eskalation und das Risiko einer zumindest zeitweisen Blockade der Meerenge von Hormus einpreisten.


Irans Dilemma: Wirtschaftlicher Selbstmord durch Blockade?


Eine vollständige Sperrung der Straße von Hormus durch den Iran würde jedoch auch das Land selbst besonders hart treffen, da damit ein Großteil seiner staatlichen Einnahmen aus dem Ölgeschäft wegfallen würde. Insgesamt produziert der Iran rund 4 % des weltweiten Ölangebots und ist daher selbst stark vom Export abhängig.


Versicherungsschutz und Transportrisiken verändern das Gefüge


Noch im Dezember – also vor der Eskalation der Iran-Krise – war der globale Ölmarkt von einem im Verhältnis zur Nachfrage hohen Angebot geprägt, was historisch eher niedrige Preise begünstigte. Mittlerweile hat sich die Situation verändert: Aufgrund des reduzierten Versicherungsschutzes für Tanker sowie des erhöhten Risikos durch Drohnen- und Raketenangriffe meiden viele Öltanker derzeit die Passage durch die Meerenge. Diese Faktoren sowie die gestiegene geopolitische Risikoprämie haben bereits zu einem deutlichen Anstieg der Ölpreise geführt.


Belastungsprobe für die globale Energieversorgung


Grundsätzlich erscheinen kurzfristige, teilweise Unterbrechungen des Öltransports durch die Straße von Hormus aufgrund vorhandener Reservekapazitäten – insbesondere in Saudi-Arabien und den USA – noch relativ gut verkraftbar. Problematisch wäre hingegen eine länger andauernde Blockade über mehrere Wochen oder gar Monate hinweg. Ein solches Szenario könnte zu erheblichen Störungen der globalen Energieversorgung führen und deutliche wirtschaftliche Folgen nach sich ziehen.


Fazit


In Zeiten wie diesen zeigt sich der wahre Wert einer robusten Asset Allokation. Wir beobachten die Entwicklungen im Persischen Golf rund um die Uhr, lassen uns jedoch nicht von kurzfristigen Marktimpulsen zu emotionalen Entscheidungen verleiten. Die Geschichte hat gelehrt, dass geopolitische Krisen zwar heftige, oft aber vorübergehende Erschütterungen auslösen. Da ein Großteil der Risiken bereits in den Kursen reflektiert wird, sehen wir im aktuellen Umfeld eher die Chance, bei Übertreibungen nach unten Qualitätswerte selektiv aufzustocken. Wir bleiben für Sie wachsam und steuern Ihr Vermögen mit der gebotenen Vorsicht durch diese stürmische See.


Mit besten Grüßen und einem erfolgreichen Investieren,


Ihr Service-Team


HOLON Family Office
HOLON Family Office GmbH | www.holon-fo.de | service@holon-fo.de

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Quellenangabe:

Torsten Leißner


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